Webex und die FU

Die Berliner Datenschutzbeauftrage hat sich zur Nutzung von Webex an der FU Berlin geäußert. Vorausgegangen war eine Beschwerde des Asta. Erwartungsgemäß hat die Datenschutzbeauftrage die aktuelle Nutzung für nicht im Einklang mit der DSGVO befunden. Erwartungsgemäß deshalb, da an solchen Sytemen immer etwas gefunden werden kann und auch wird wenn nur tief genug gegraben wird.

Die Frage, die zu stellen ist betrifft die Expertise der Universität. Dort sind Menschen aus den Bereichen Informatik, Datenschutz, Recht und andere Fachleute beschäftigt. Wie sind diese Fachleute per Datenschutzfolgeabschätzung zu einer Bewertung gelangt, die den Betrieb zulässt; und wie untermauert ist sie?

Triggerwarnung zu rassistischer Sprache

In der deutschen Übersetzung des Buchs einer feministischen amerikanischen Wissenschaftlerin zur Genealogie von Rassismen wird das N-Wort gebraucht. Das Buch in deutscher Sprache erschien 1993. In Blackboard wird vor dem Lesen per Mail gewarnt und das Angebot gemacht den Inhalt der betreffenden Seiten in nichtrassisitscher Sprache zusammenzufassen und zu kommunizieren falls gewünscht. Die Lektüre dient als Vorbereitung zu einer Vorlesung. In der Vorlesung wird die rassistische Sprache nicht angesprochen, nicht problematisiert.

Ich erhielt so eine Warnung in vier Jahren Gasthörerdasein zum ersten Mal. Das Nichtthematisieren in der Veranstaltung verunsichert mich ein wenig. Sollte ich nachfragen?

Präsenz und Absage

Es wird ein Hybridsemester sein. Einige Präsenzveranstaltungen sind für Gasthörerïnnen geöffnet. Allerdings scheint die Koordination verbesserungswürdig zu sein. Bekomme für die einzige gewählte Präsenzveranstaltung eine Absage. Scheinbar wurde bei der Wahl der Räumlichkeit die Gasthörerïnnen vergessen.

Schade – aber das Weiterbildungszentrum zeigt sich kulant, ich kann eine andere Veranstaltung belegen und habe damit erneut vier Onlineveranstaltungen. Damit brauche ich nicht nach Dahlem zu fahren; in dunklen und ungemütlichen Herbst-/ Winterzeiten ist das auch eher unerfreulich.

Der Blick ins Vorlesungsverzeichnis WiSe 2021/2022

Der Blick ins neue ClassicVorlesungsverzeichnis für Gasthörerïnnen ist vor Überraschungen nicht gefeit. Ein neuer großer Block ist da – die Lateinamerikanistik. Die Veranstaltungen dazu sind sehr unterschiedlich: Gender, Digitalisierung, Geschichte, Kolonialismus u.a.. Biologie, Chemie, Geowissenschaften und Mathematik öffnen ebenfalls viele Veranstaltungen für Gasthörerïnnen; die Politikwissenschaften sind, wie immer, breit vertreten. Totalausfälle im Wintersemester sind Deutsche Philologie und Wirtschaftswissenschaften. Schade…

„Immersion des Schweigens“

Im Artikel „Jenseits des Hörsaals“ in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wird der Germanist Till Breyer von der Ruhr-Universität Bochum zitiert, der von einer „Immersion des Schweigens“ in Onlineseminaren berichtet, die unangenehm sei. Er habe dann seinen Redeanteil deutlich erhöht. Diese ungute längere Stille in den digitalen Tools scheint nicht nur mir unangenehm zu sein; ich schrieb hier zweimal davon. Woher kommt nun dieses schlechte Gefühl, das sich im Seminarraum so nicht bemerkbar macht? Ob es mit dem Medium zu tun hat oder mit der rein physischen räumlichen Distanz der Teilnehmenden oder beidem oder etwas ganz anderem, darüber habe ich nicht nachgedacht. Bin gespannt ob es dazu eine Erklärung geben wird.

Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2021

Institut für Judaistik

  1. Geschichte der Juden im Mittelalter – Giulio Busi
  2. Jüdische Identität in der Moderne und Spätmoderne – Silvana Greco

Otto-Suhr-Institut

  1. Politische Theorie des Datenschutzes – Daniel Schulz

Department Wirtschaftsinformatik

  1. Entscheidungsunterstützungssysteme – Natalia Kliewer

Institut für Informatik

  1. (IT)-Sicherheit ganzheitlich denken – L. Gerhold, M. Wählisch, G. Wunder

Art-Programm: Vortragswelten

  1. Das Motiv der Jagd in der Kunstgeschichte – J. Maruhn, M. Vollmer, T. Hoffmann, R. Habel
  2. Der Zauber Asiens – Chinoiserie und Japonismus in Europa – B. Bode
  3. Deutschlandreise Architektur – R. Habel, M. Vollmer

Die Schüchternen

Ich sehe mich als Gasthörer in einer Position der Zurückhaltung, in einer Rolle als Zuhörer. Lehrveranstaltungen sind zuförderst für die Studierenden da, sie sind es die sich den Lehrstoff erarbeiten sollten, die die Chance haben sollten sich zu beteiligen, die die Diskussion führen sollten, sich einbringen sollten, die Honig aus der Kommunikation saugen sollten. Auch Präsenzveranstaltungen sehen unterschiedliche Beteiligung, es gibt (einzelne) Gesprächsführerïnnen und Schweigende. In den Onlineveranstaltungen fühle ich mich in einer zähen Gesprächssituation unbehaglich, insbesondere wenn es längere Zeiträume des Schweigens gibt. Ich gebe meine Zurückhaltung auf und melde mich öfter zu Wort als ich möchte. Das ist mir ebenfalls unangenehm aber vielleicht kann ich so zu ein wenig mehr Engagement anregen. Zudem hinterfrage ich die Position der Gasthörerïn als eine zu-hörende.

In der jeweiligen Sprache lesen

Bis jetzt hatte ich auch Lehrveranstaltungen deren Gegenstand sich in der Orginalsprache am besten darbietet: altgriechische Poetik, chinesische Ästhetik, (alt)hebräische Texte, alt-/mittel(hoch)deutsche Schriften – Philologie als Grundlage. Doch keine dieser Sprache beherrsche ich, begnügen muß ich mich mit Übersetzungen. Werden Übersetzungen dem Gegenstand gerecht oder fügen sie zusätzliche Verzerrungen dem Verstehen, dem Deuten hinzu?

Webex ohne Video

Im Kurs scheinen viele schüchterne Menschen zu sein, die Äußerungsfreude ist gedämpft, keine Diskussionsfreude vorhanden. Einige Teilnehmerïnnen haben Video an, die meisten nicht. Der Dozent schaltet den Kurs in Teilgruppen. In einer Teilgruppe haben alle Teilnehmerïnnen Video und Audio abgestellt. Nach einer gefühlten Weile erscheint ein Sprecher, danach eine weitere. Mehrere melden sich nacheinander zu Wort, das Eis scheint zu brechen. Bei allen bleibt die Videofunktion ausgestellt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Videofunktion und Kommunikation? Erleichtert die Bildlosigkeit die Kommunikation? Ist das eine Beichtstuhlsituation?

Streaming von Ringvorlesungen

Öffentliche Ringvorlesungen sind eine bewährte Lehrform der Universität. In Zeiten der Pandemie wird diese Lehrveranstaltung in elektronischer Form internetbasiert weitergeführt. Das versetzt Gasthörerïnnen in die Lage sich wohnortunabhängig von verschiedenen Universitäten interessegemäße Pakete von Vorlesungen zusammenzustellen. Das ist ein sehr großer Gewinn für die Universität und die Öffentlichkeit und sollte über das Ende der Pandemie hinaus beibehalten werden.

Philosophie, Ökonomie, Philologie, Informatik, Judaistik, Chemie, Geographie und Altertumswissenschaften in entspanntem Ambiente zuhause auf der Couch hören ist kein Konsum, es ist zeitgemäße (Weiter)Bildung.