Archiv der Kategorie: Gasthörer

Noch mehr von der Mensakarte

Hinschauen ist hilfreich. An der Kasse wird das Sterbedatum meiner Mensakarte auf dem Display angezeigt: 1.1.2037. Dann wird sie gut zwanzig Jahre alt sein. Mein eigenes Alter rechne ich aber lieber nicht aus…

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Aufklärung, Philologie und Gasthörer

In der Vorlesung „Aufklärung“ am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie wird die literarische Gattung des Romans samt seinem Beitrag zur Aufklärung behandelt. Inspiriert davon lese ich auch tatsächlich den Roman „Das Leben der Schwedischen Gräfin von G***“ von Christian Fürchtegott Gellert. 1774 schrieb er im ersten Teil folgende Sätze:

„Wir konnten uns beide mit dem edelsten Zeitvertreibe, mit Lesen und Denken unterhalten. Wir studierten, ohne daß uns deswegen jemand bewundern sollte. Wir studierten zu unserer eigenen Ruhe.“

Der erste Satz zeigt die Gleichberechtigung der beiden Liebenden, die damals nicht üblich war. Die beiden anderen Sätze drücken aus was das Gasthören für mich ist. Die schlichten Worte Gellerts berühren und sind wunderschön.

Die schlaue Mensakarte

Im vierten Semester als Gasthörer wird mir gewahr, dass die Mensakarte schlauer ist als ich. Zwar steht irgendwo in den Erläuterungen zur Nutzung der Karte, der Gasthörer möge sich auch als solcher legitimieren. Doch ist das nur bei Ausstellung der Mensakarte notwendig, die Bezahlung zum Personaltarif ist dann auf der Karte vermerkt. Darauf weist mich eine freundliche Mitarbeiterin an der Kasse hin.

Politik in Gemälden von Gerhard Richter bis Bansky

Diese Veranstaltung hat eines nicht zum Inhalt, Erwägungen zu engagierter oder autonomer Kunst. Es werden einfach Bilder von Künstlern, sogenannten „alten“ Künstler, gezeigt. Sie begannen im 20. Jahrhundert und wirken im 21. Jahrhundert fort. Das Besprechen beginnt mit den Date Paintings von On Kawara über die „Scherenschnitte“ Kara Walkers bis zur Streetart Banskys.
Die vollständgige Liste in chronologischer Reihenfolge:
On Kawara, Hanne Darboven, Gerhard Richter, Thomas Ruff, Eric Fischl, Luc Tuymans, Andy Warhol, Wolfgang Tillmans, Thomas Demand, Anselm Kiefer, Simon Menner, Hasan Elahi, Sophiee Calle, Taryn Simon, Yinka Shonibare, Kara Walker, Ai Weiwei, Mona Hatoum, Alfred Jaar, Bansky.
Auch im 21. Jahrhundert die Verarbeitung der Nazibarbarei Inhalt der Politik in Gemälden; dazu kommen Kapitalismuskritik Ungerechtigkeit, Überwachung, Rassismus sowie Flucht und Vertreibung.
Viele, gerade auch der jüngeren „alten“ Künstler, haben eigene Webseiten. Einige präsentieren nicht nur ihre Werke dort sondern erläutern ihre Werke und Projekte.

Auf dem Weg

Das einzig Systematische an meinem Gasthörerdasein war die Auswahl der Universität. Nur die FU hat ein ausgefeiltes Gasthörerprogramm, einfache Registrierungs-, Buchungs- und Zahlungsmöglichkeiten sodass ich hier als Gasthörer begann. Die bisher besuchten Veranstaltungen waren nicht Schritte hin zu einem klaren Weiterbildungsziel, sondern ich ließ mich einfach treiben, fast als fänden die Veranstaltungen mich. Die Inhalte der Veranstaltung zum Vergleich von deutscher und chinesischer Ästhetik in diesem Semester überraschte mich deshalb, da wir Francois Jullien lasen und seine Reflektion der chinesischen Philosophie irgendwie Grundlage meines Wegs im Gasthörerstudium sein könnte. Der Weg, das Werden – dao.

Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2018

Institut für Philosophie

  1. Deutsche und chinesische Ästhetik im Vergleich – Philippe Brunozzi, Zhang Deng
  2. G. W. Leibniz – Werk, Leben, Editionen – Wenchao Li

Art-Programm: Kunstgeschichte und Geschichte

  1. Gemalte Geschichte im 21. Jahrhundert: Politik in Gemälden von Gerhard Richter bis Bansky – Katharina Raab

Fragen zu Adornos Ästhetik und dem Neuronalen Netz

Das Seminar „Wozu Kunst?“ lädt zum Weiterlesen und Denken ein. Nachdem wir den Adornoschen Essay „Engagement“ zur Funktion der „politischen Kunst“ behandelt haben sind die Vorlesungen zur Ästhetik (1958/59) eine gute Gelegenheit sich außerhalb des Seminars an die „Ästhetische Theorie“ heranzutasten. Erste brennende Fragen treten bereits nach Lesen gut eines Drittels der Vorlesungen auf.

Im Folgenden verzichten wir auf die Erklärung eines Neuronalen Netzes. Einige Werke und das Verfahren ihrer Herstellung des Künstlers Roman Lipski wurde uns vorgestellt. Roman benutzt ein Neuronales Netz, daß bestehende Werke von ihm lernt und daraufhin neue Werke erstellt, die Roman dann wiederum als Anregung für eigenes Malen nimmt. Roman bezeichnet das Neuronale Netz als seine Muse.
Daran schließen sich nun Fragen an: Was würde Adorno über ein Neuronales Netz in der Kunst denken? Wäre es ein weiteres Eindringen der Naturwissenschaften in die Kunst und damit eine neue Dialektik von Natur und Kunst?
Wie stünde das Neuronale Netz zu Ausdruck und Konstruktion in der Ästhetik? Hat das Neuronale Netz etwas mit Entfremdung zu tun? Was hielte Adorno von einer solchen Muse? Wäre es etwas völlig Neues? Und viele weitere Fragen tun sich auf…

Die Webseite von Roman Lipski mit vielen Erläuterungen, Bildern und Videos findet sich hier.