Archiv der Kategorie: Kulturtechnik

Das Sozusagen

Referate und Vorträge halte ich frei. Einige Stichworte schreibe ich auf, mehr nicht. Die Illusion hält mich gefangen, ich könne während des Sprechens meine Gedanken entwickeln. Meistens funktioniert das mehr schlecht als recht in meiner Rückschau. Während des Sprechens, nicht nur in der Rückschau bemerke ich, daß ich die Worthülse „Sozusagen“ sehr oft benutze, was mir beim normalen Plaudern völlig abgeht. In der Anspannung während des Sprechens ist meine Widerstandskraft gegen die Worthülse völlig zusammengebrochen. Dieses „Sozusagen“ ist ja nicht nur der Ausdruck hoher Anspannung oder Verlegenheit sondern es scheint eine unbewußte Distanzierung von dem Gesagten zu erfolgen. Was ist diese tiefsitzende unbewußte Scham – wie läßt sie sich auflösen?

Der Weg zur Griechischen Literatur in Übersetzung

Das gibt es tatsächlich, ein Modulangebot im Kombi-Bachelor „Griechische Literatur in Übersetzung“. Keine Gräzistik mit zwingenden Kenntnissen des Altgriechischen. „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer, dort genauer der „Exkurs 1: Odysseus und der Mythos der Aufklärung“ ist eine Tür zur Griechischen Literatur. Wenn die Schulkenntnisse vergessen sind das Verstehenwollen mächtig drückt wird ist der Kurs „Altgriechische Poesie“ richtig. Ein straff organisiertes Programm mit dem Schwerpunkt Epik läßt auch Raum für die anderen literarischen Gattungen und den geschichtlichen Kontext. Nach dem Kurs haben Teilnehmerïnnen natürlich nicht die Epik umfassend verstanden aber ein erster Schritt ist getan. Altphilologie im besten Sinne.

Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2019

Institut für Philosophie

  1. Sexismus und Rassismus als Themen der Sozialphilosophie – Hilkje Charlotte Hänel

Institut für Deutsche und Niederländische Philologie

  1. Literatur und Recht – Geza Dane

Institut für Griechische und Lateinische Philologie

  1. Einführung in die altgriechische Poesie – Norbert Blößner

Art-Programm: Von der Moderne zur Gegenwartskunst

  1. Selbstreflexionen – Zur symbolischen und optischen Bedeutung des Spiegels in der Kunst – Johannes Knecht
  2. PalaisPouplaire: Sommer of Love – Art, Fashion and Rock & Roll – Beate Zimmermann

Art Programm: Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte

  1. Alltagskultur in Europa: Direktorinführung durch die Sammlung des MEK

PalaisPopulaire Summer of Love – Art, Fashion and Rock & Roll

„Summer of Love“ – die Ankündigung im GasthörerCard Art Programm elektrisierte. 1967 – zu jung um dabei zu sein aber alt genug um an Bilder, Berichte und Filme der Zeit zu erinnern.
Das Prinzessinnenpalais in Mitte hat das PalaisPopulaire, den Ausstellungs- und Veranstaltungsort der Deutsche Bank, unter seinem Dach. Er zeigt Exponate der aufbegehrenden Jugend der Sechziger Jahre. Die sich damals verändernden Bereiche von Kunst, Mode und Musik, sowie Politik werden thematisiert. Die Ausstellung, weniger umfangreich als die Schwesterausstellungen in Frankfurt und San Francisco, reißt die Bereiche an vertieft sie aber nicht. Für jüngere Leute ist das genau das richtige Konzept, weckt das ihr Interesse, für die, die damals dabei waren, sicher ein wenig dünn – die verklärten Erinnerungen wollen mehr sehen und hören. Plattencover, Konzertplakate und teilweise die Muster der Bekleidungsstücke erinnern an Motive des Jugendstils. Dies nicht umsonst, denn hinter dem damaligen Aufbegehren steckt nach Adorno „..die in Permanenz erklärte Pubertät: Utopie, welche die eigene Unrealisierbarkeit diskontiert.“ Und dass die Deutsche Bank die Ausstellung zeigt macht deutlich wie sich der Kapitalismus auch dieses Aufbegehren samt Kunst, Musik, Mode und Politik einverleibt hat.

Link zu Bildern der Ausstellung hier und hier.

Besuchte Lehrveranstaltungen im WiSe 2018/2019

Institut für Philosophie

  1. Philosophisches Argumentieren I – Barbara Vetter
  2. Die verdrängten Momente des Bewußtseins nach Sigmund Freud – Erika Benini

Institut für Deutsche und Niederländische Philologie

  1. Aufklärung – Geza Dane

Art-Programm: Von der Moderne zur Gegenwartskunst

  1. Nature Morte – Stillleben in der zeitgenössischen Kunst – Katharina Raab
  2. Kunst-Werke Berlin: Beatriz Gonzalez – Kolja Kohlhoff

Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2018

Institut für Philosophie

  1. Deutsche und chinesische Ästhetik im Vergleich – Philippe Brunozzi, Zhang Deng
  2. G. W. Leibniz – Werk, Leben, Editionen – Wenchao Li

Art-Programm: Kunstgeschichte und Geschichte

  1. Gemalte Geschichte im 21. Jahrhundert: Politik in Gemälden von Gerhard Richter bis Bansky – Katharina Raab

Besuchte Lehrveranstaltungen im WiSe 2017/2018

Institut für Philosophie

  1. Wozu Kunst? – Christian Krüger, Birgit Eusterschulte
  2. Sozialphilosophie und Anthropologie des Gebens – Hilge Landweer

Art-Programm: Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte

  1. Von Tugenden und Lastern: Werte und menschliches Miteinander in der Kunst Europas – Barbara Hofmann

Art-Programm: Bausteine der Geschichte

  1. Ringvorlesung: Rätsel der Geschichte – Ernst Baltrusch, Arnd Bauerkämper

Art-Programm: Theologie und Kunstgeschichte im Dialog

  1. Die Kunst des Feierns, Feiern in der Kunst – Eberhard König, Rainer Kampling

Über Einzeller und künstebezogene Praktiken

Als Einzeller wäre der Mensch unsterblich. Da der Mensch kein Einzeller ist, ist er auch sterblich. Scheint logisch.

Eine schwedische Studie zeigt, so Winfried Menninghaus in „Wozu Kunst?“ auf Seite 274:

Das Resultat ist eindeutig: Regelmäßigkeit und Häufigkeit künstebezogener Praktiken werden mit geringer Mortalitätsrate belohnt.

Solche Praktiken seien Selbermusizieren, Schreiben, Theaterspielen, Malen, Bildhauern aber auch Konzert-, Museums-, Theaterbesuche und Besuche von Lesungen oder Lesen. Künstebezogene Praktiken gehen also mit einem längeren, vielleicht auch besserem Älterwerden einher. Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse und aller Vorsicht einer Annahme unkritischer Kausalität, könnte in der Vermutung Kants „ästhetische Lust führe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bei sich“ (Menninghaus S.275) doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten. Es kann sicherlich nicht schaden, sich künstebezogenen Praktiken zuzuwenden.

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 30.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Über die Verwendung des Begriffes Interesse

Alain Caillé entfaltet in seinem Text „Die doppelte Unbegreiflichkeit der reinen Gabe“ die Verwendung des Begriffes „Interesse“. Er unterscheidet das „Interesse an“ vom „Interesse für“. Das „Interesse an“ wird instrumentell gebraucht, es hat Werkzeugcharakter. Das „Interesse für“ etwas oder jemanden ist sich, sozusagen, selbst genug; die Handlung oder Tätigkeit „hat in sich ihr eigenes Ziel“. Die Gegenpunkte seien einerseits Interesselosigkeit und andererseits Desinteresse. Natürlich ist der „Anteil“ der beiden Interessen an einer Handlung, Tätigkeit, einem Etwas oder Jemandem unterschiedlich und im Zeitablauf variabel. Auch kann das jeweilige Interesse allein vorliegen. Dies sei am Beispiel der Arbeit erläutert. Arbeitet jemand in einem Unternehmen, das ihm ganz oder zu Teilen gehört so werden hier „Interesse an“ und „Interesse für“ vorliegen. Nach einem Verkauf oder Änderung der Position mag sich das „Interesse für“ verflüchtigen und das „Interesse an“ mag alleine übrigbleiben. Caillé zitiert einen Satz von Auguste Detoeuf:

Man glaubt zunächst, man würde für sich arbeiten, man vergegenwärtigt sich dann, dass man für seine Frau arbeitet – man ist später überzeugt, dass man für die Kinder arbeitet, man nimmt schlussendlich war, dass man während der ganzen Zeit gearbeitet hat, um zu arbeiten.

Werden die Interessen auch tatsächlich in der Lebenswelt gedanklich sortiert oder wird das „Interesse für“ nicht vielmehr auch als das „Interesse an“ wahrgenommen? Und welche Folgen könnte diese Verwechselung der Interessen mit sich bringen?

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 24.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2017

Institut für Philosophie

  1. Theorien und Phänomene des Digitalen – Sybille Krämer
  2. Was ist ein Medium? Grundpositionen der Medientheorie – Sybille Krämer

Art-Programm: Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte

  1. Der Kuß in der Kunst – Karin Kranhold