Schlagwort-Archive: Bildung

Auf dem Weg

Das einzig Systematische an meinem Gasthörerdasein war die Auswahl der Universität. Nur die FU hat ein ausgefeiltes Gasthörerprogramm, einfache Registrierungs-, Buchungs- und Zahlungsmöglichkeiten sodass ich hier als Gasthörer begann. Die bisher besuchten Veranstaltungen waren nicht Schritte hin zu einem klaren Weiterbildungsziel, sondern ich ließ mich einfach treiben, fast als fänden die Veranstaltungen mich. Die Inhalte der Veranstaltung zum Vergleich von deutscher und chinesischer Ästhetik in diesem Semester überraschte mich deshalb, da wir Francois Jullien lasen und seine Reflektion der chinesischen Philosophie irgendwie Grundlage meines Wegs im Gasthörerstudium sein könnte. Der Weg, das Werden – dao.

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Besuchte Lehrveranstaltungen im SoSe 2018

Institut für Philosophie

  1. Deutsche und chinesische Ästhetik im Vergleich – Philippe Brunozzi, Zhang Deng
  2. G. W. Leibniz – Werk, Leben, Editionen – Wenchao Li

Art-Programm: Kunstgeschichte und Geschichte

  1. Gemalte Geschichte im 21. Jahrhundert: Politik in Gemälden von Gerhard Richter bis Bansky – Katharina Raab

Besuchte Lehrveranstaltungen im WiSe 2017/2018

Institut für Philosophie

  1. Wozu Kunst? – Christian Krüger, Birgit Eusterschulte
  2. Sozialphilosophie und Anthropologie des Gebens – Hilge Landweer

Art-Programm: Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte

  1. Von Tugenden und Lastern: Werte und menschliches Miteinander in der Kunst Europas – Barbara Hofmann

Art-Programm: Bausteine der Geschichte

  1. Ringvorlesung: Rätsel der Geschichte – Ernst Baltrusch, Arnd Bauerkämper

Art-Programm: Theologie und Kunstgeschichte im Dialog

  1. Die Kunst des Feierns, Feiern in der Kunst – Eberhard König, Rainer Kampling

Über Einzeller und künstebezogene Praktiken

Als Einzeller wäre der Mensch unsterblich. Da der Mensch kein Einzeller ist, ist er auch sterblich. Scheint logisch.

Eine schwedische Studie zeigt, so Winfried Menninghaus in „Wozu Kunst?“ auf Seite 274:

Das Resultat ist eindeutig: Regelmäßigkeit und Häufigkeit künstebezogener Praktiken werden mit geringer Mortalitätsrate belohnt.

Solche Praktiken seien Selbermusizieren, Schreiben, Theaterspielen, Malen, Bildhauern aber auch Konzert-, Museums-, Theaterbesuche und Besuche von Lesungen oder Lesen. Künstebezogene Praktiken gehen also mit einem längeren, vielleicht auch besserem Älterwerden einher. Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse und aller Vorsicht einer Annahme unkritischer Kausalität, könnte in der Vermutung Kants „ästhetische Lust führe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bei sich“ (Menninghaus S.275) doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten. Es kann sicherlich nicht schaden, sich künstebezogenen Praktiken zuzuwenden.

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 30.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Prokrastiniert der Gasthörer?

Das Wintersemester 17/18 hat begonnen. Eigentlich sind in diesem Blog noch zwei Posts aus dem Sommersemester fällig. Ist die Nichtveröffentlichung jetzt pathologisches Vertagen – Prokrastination? Der Gasthörer hat keine Verpflichtungen und er darf keine Noten, Scheine u.ä. erwerben. Er ist aus inhaltlichen Interesse bei der Sache. Die selbst gestellte Aufgabe einen Blogpost zu schreiben ist angenehm, birgt auch kein unüberwindliches oder beängstigendes Hindernis. Am Nichtschreiben der Blogposts leidet der Gasthörer jedenfalls nicht. Vielleicht müssen die Posts einfach noch reifen…

Versuch einer medialen Perspektive auf handwerklich hergestellte Gebrauchsgegenstände

Vorangestellt sei, wir verzichten in diesem kurzen Text auf Begriffsklärungen. Die Relationen Mensch und Ding, Ding und Mensch oder auch eine Philosophie dieser Verhältnisse sind spannend. In Wolfgang Schivelbuschs Werk „Das verzehrende Leben der Dinge – Versuch über Konsumtion“ wird diese Relation untersucht und philosophisch entfaltet. Wir folgen dem jedoch nicht sondern konzentrieren uns textlich auf unsere Zwecke, die Frage nach einer medialen Perspektive. Dazu sei folgende Textstelle [1] zitiert:

Das handwerklich gefertigte Ding zeigt unübersehbar die Spuren seiner individuellen Entstehung. Es ist der Abgesandte, der seine Nachricht – die Poiesis des Herstellers – auf kürzestem Weg zum Konsumenten bringt. Alle drei sprechen die gleiche Sprache. Die Handarbeit des Produzenten gelangt unverfälscht in die Hände des verbrauchenden Empfängers. Unverfälscht, weil auch die handwerkliche Arbeit „produktive Konsumtion“ ist. Vom Gegenstand verzehrt, absorbiert, assimiliert wird sie der Gegenstand.

Die Textstelle weist in der Tat Charakteristika auf, die die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer medialen Perspektive auf einen beliebigen, handwerklich produzierten Gebrauchsgegenstand stellt. Wir lesen über einen Sender und einen Empfänger, wir lesen über eine Botschaft, wir lesen über etwas Materielles, das die Botschaft übermittelt und wir lesen über Spuren.

Nehmen wir den Inhalt dieser Textstelle wörtlich so ist der Übermittler, der Bote[2], das Medium, das „handwerklich hergestellte Ding“ die Botschaft „die Poiesis des Herstellers“. So gut, so einfach, so klar. Wir können die Frage nach eine medialen Perspektive schnell beantworten und bejahen.

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Das Selbstlernprogramm Kunst und Funktion

Weiter-Bildung ist auch über den Tellerrand-Schauen. So werde ich im September meine erste kunsthistorische Lehrveranstaltung besuchen (wer hätte das gedacht?) – Der Kuß in der Kunst – ein doch wohl interessantes Thema. Als kunsthistorischer Laie möchte ich nicht ganz unvorbereitet in diese Veranstaltung gehen und bereite mich mit Hilfe des Selbstlernprogramms „Kunst und Funktion“ – natürlich nicht abschließend – vor. Als ich das Selbstlernprogramm entdecke frage ich mich warum ein eher „behäbiges“ (nein, ich weiß das stimmt so nicht und ist ungerecht) Studienfach wie Kunstgeschichte ein e-Learning Programm anbietet; die Art des „digitalen Lernens“ vermute ich eher in anderen Fächern. Dazu ist die Entstehung des Programms einfach faszinierend. Vor über dreißig Jahren schrieben jüngere Kunsthistoriker eine Geschichte der Kunst unter der besonderen Berücksichtigung der Funktion von Kunst. Dieses Werk wurde 1985 als Funkkolleg Kunst mit 41.412 Teilnehmern vom Saarländischen Rundfunk produziert. Sechzehn Jahre später, im Jahre 2001, wird am kunsthistorischen Institut der FU Berlin im Rahmen des, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten e-Learning-Großprojektes „Schule des Sehens – Neue Medien der Kunstgeschichte”, eine onlinegerechte Version unter dem Namen „Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen – Kunst und Funktion“ entwickelt. Das Selbstlernprogramm ist sogar verpflichtender Bestandteil des Bachelorstudiengangs Kunstgeschichte.

Dazu einige Links:
Homepage Kunst und Funktion
Kunst und Funktion auf der Seite des kunsthistorischen Instituts der FUB
Wikipedia – zum Thema Funkkolleg