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Fragen zu Adornos Ästhetik und dem Neuronalen Netz

Das Seminar „Wozu Kunst?“ lädt zum Weiterlesen und Denken ein. Nachdem wir den Adornoschen Essay „Engagement“ zur Funktion der „politischen Kunst“ behandelt haben sind die Vorlesungen zur Ästhetik (1958/59) eine gute Gelegenheit sich außerhalb des Seminars an die „Ästhetische Theorie“ heranzutasten. Erste brennende Fragen treten bereits nach Lesen gut eines Drittels der Vorlesungen auf.

Im Folgenden verzichten wir auf die Erklärung eines Neuronalen Netzes. Einige Werke und das Verfahren ihrer Herstellung des Künstlers Roman Lipski wurde uns vorgestellt. Roman benutzt ein Neuronales Netz, daß bestehende Werke von ihm lernt und daraufhin neue Werke erstellt, die Roman dann wiederum als Anregung für eigenes Malen nimmt. Roman bezeichnet das Neuronale Netz als seine Muse.
Daran schließen sich nun Fragen an: Was würde Adorno über ein Neuronales Netz in der Kunst denken? Wäre es ein weiteres Eindringen der Naturwissenschaften in die Kunst und damit eine neue Dialektik von Natur und Kunst?
Wie stünde das Neuronale Netz zu Ausdruck und Konstruktion in der Ästhetik? Hat das Neuronale Netz etwas mit Entfremdung zu tun? Was hielte Adorno von einer solchen Muse? Wäre es etwas völlig Neues? Und viele weitere Fragen tun sich auf…

Die Webseite von Roman Lipski mit vielen Erläuterungen, Bildern und Videos findet sich hier.

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Besuchte Lehrveranstaltungen im WiSe 2017/2018

Institut für Philosophie

  1. Wozu Kunst? – Christian Krüger, Birgit Eusterschulte
  2. Sozialphilosophie und Anthropologie des Gebens – Hilge Landweer

Art-Programm: Quer durch die Epochen der Kunstgeschichte

  1. Von Tugenden und Lastern: Werte und menschliches Miteinander in der Kunst Europas – Barbara Hofmann

Art-Programm: Bausteine der Geschichte

  1. Ringvorlesung: Rätsel der Geschichte – Ernst Baltrusch, Arnd Bauerkämper

Art-Programm: Theologie und Kunstgeschichte im Dialog

  1. Die Kunst des Feierns, Feiern in der Kunst – Eberhard König, Rainer Kampling

Über Einzeller und künstebezogene Praktiken

Als Einzeller wäre der Mensch unsterblich. Da der Mensch kein Einzeller ist, ist er auch sterblich. Scheint logisch.

Eine schwedische Studie zeigt, so Winfried Menninghaus in „Wozu Kunst?“ auf Seite 274:

Das Resultat ist eindeutig: Regelmäßigkeit und Häufigkeit künstebezogener Praktiken werden mit geringer Mortalitätsrate belohnt.

Solche Praktiken seien Selbermusizieren, Schreiben, Theaterspielen, Malen, Bildhauern aber auch Konzert-, Museums-, Theaterbesuche und Besuche von Lesungen oder Lesen. Künstebezogene Praktiken gehen also mit einem längeren, vielleicht auch besserem Älterwerden einher. Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse und aller Vorsicht einer Annahme unkritischer Kausalität, könnte in der Vermutung Kants „ästhetische Lust führe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bei sich“ (Menninghaus S.275) doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten. Es kann sicherlich nicht schaden, sich künstebezogenen Praktiken zuzuwenden.

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 30.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Über die Verwendung des Begriffes Interesse

Alain Caillé entfaltet in seinem Text „Die doppelte Unbegreiflichkeit der reinen Gabe“ die Verwendung des Begriffes „Interesse“. Er unterscheidet das „Interesse an“ vom „Interesse für“. Das „Interesse an“ wird instrumentell gebraucht, es hat Werkzeugcharakter. Das „Interesse für“ etwas oder jemanden ist sich, sozusagen, selbst genug; die Handlung oder Tätigkeit „hat in sich ihr eigenes Ziel“. Die Gegenpunkte seien einerseits Interesselosigkeit und andererseits Desinteresse. Natürlich ist der „Anteil“ der beiden Interessen an einer Handlung, Tätigkeit, einem Etwas oder Jemandem unterschiedlich und im Zeitablauf variabel. Auch kann das jeweilige Interesse allein vorliegen. Dies sei am Beispiel der Arbeit erläutert. Arbeitet jemand in einem Unternehmen, das ihm ganz oder zu Teilen gehört so werden hier „Interesse an“ und „Interesse für“ vorliegen. Nach einem Verkauf oder Änderung der Position mag sich das „Interesse für“ verflüchtigen und das „Interesse an“ mag alleine übrigbleiben. Caillé zitiert einen Satz von Auguste Detoeuf:

Man glaubt zunächst, man würde für sich arbeiten, man vergegenwärtigt sich dann, dass man für seine Frau arbeitet – man ist später überzeugt, dass man für die Kinder arbeitet, man nimmt schlussendlich war, dass man während der ganzen Zeit gearbeitet hat, um zu arbeiten.

Werden die Interessen auch tatsächlich in der Lebenswelt gedanklich sortiert oder wird das „Interesse für“ nicht vielmehr auch als das „Interesse an“ wahrgenommen? Und welche Folgen könnte diese Verwechselung der Interessen mit sich bringen?

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 24.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Prokrastiniert der Gasthörer?

Das Wintersemester 17/18 hat begonnen. Eigentlich sind in diesem Blog noch zwei Posts aus dem Sommersemester fällig. Ist die Nichtveröffentlichung jetzt pathologisches Vertagen – Prokrastination? Der Gasthörer hat keine Verpflichtungen und er darf keine Noten, Scheine u.ä. erwerben. Er ist aus inhaltlichen Interesse bei der Sache. Die selbst gestellte Aufgabe einen Blogpost zu schreiben ist angenehm, birgt auch kein unüberwindliches oder beängstigendes Hindernis. Am Nichtschreiben der Blogposts leidet der Gasthörer jedenfalls nicht. Vielleicht müssen die Posts einfach noch reifen…

Smart Home – Instrument oder Apparat?

Versuchen wir zunächst eine Begriffsklärung und greifen dabei auf folgende Definition zurück:

Smart Home ist die intelligente Vernetzung mehrerer Komponenten im Zuhause (z.B. Licht, Lautsprecher, Heizung, Fernsehen) sodass die Wohnumgebung ferngesteuert werden kann oder sich automatisch und selbstlernend auf die Bedürfnisse der Nutzer einstellt…[1]

Eine etwas ältere Beschreibung auf höherem Abstraktionsgrad, die sich auf das Internet der Dinge bezieht lautet:

Unter dem Internet der Dinge versteht man die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit einer virtuellen Repräsentation einer Internet-ähnlichen Struktur.[2]

Eine Kombination der beiden Beschreibungen wirkt fruchtbar. Smart Home ist als ein Teilbereich des Internets der Dinge im häuslichen Bereich, der Wohnung oder dem Wohngebäude, zu sehen. Eindeutig identifizierbare physische Dinge, Konsumgüter aber auch Gebrauchsgüter wie Sensoren, können in einer virtuellen Repräsentation verknüpft werden. Die Dinge sind kommunikationsfähig und können über eine gemeinsame operative Sprache, die Binärschrift, zusammengeführt werden. Die Dinge können vom Bewohner parametrisiert und (fern)gesteuert werden. Die Dinge kommunizieren untereinander und „handeln“ gegebenenfalls nach dem Inhalt der Kommunikation, nach Aufforderung. Sie „verstehen“ einander. Sie sind in der Lage zu lernen, wobei wir dieses Lernen als Lernen ohne Bewußtsein verstehen. Wir verzichten hier auf weitere Erläuterungen zum Lernen von Dingen.

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Versuch einer medialen Perspektive auf handwerklich hergestellte Gebrauchsgegenstände

Vorangestellt sei, wir verzichten in diesem kurzen Text auf Begriffsklärungen. Die Relationen Mensch und Ding, Ding und Mensch oder auch eine Philosophie dieser Verhältnisse sind spannend. In Wolfgang Schivelbuschs Werk „Das verzehrende Leben der Dinge – Versuch über Konsumtion“ wird diese Relation untersucht und philosophisch entfaltet. Wir folgen dem jedoch nicht sondern konzentrieren uns textlich auf unsere Zwecke, die Frage nach einer medialen Perspektive. Dazu sei folgende Textstelle [1] zitiert:

Das handwerklich gefertigte Ding zeigt unübersehbar die Spuren seiner individuellen Entstehung. Es ist der Abgesandte, der seine Nachricht – die Poiesis des Herstellers – auf kürzestem Weg zum Konsumenten bringt. Alle drei sprechen die gleiche Sprache. Die Handarbeit des Produzenten gelangt unverfälscht in die Hände des verbrauchenden Empfängers. Unverfälscht, weil auch die handwerkliche Arbeit „produktive Konsumtion“ ist. Vom Gegenstand verzehrt, absorbiert, assimiliert wird sie der Gegenstand.

Die Textstelle weist in der Tat Charakteristika auf, die die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer medialen Perspektive auf einen beliebigen, handwerklich produzierten Gebrauchsgegenstand stellt. Wir lesen über einen Sender und einen Empfänger, wir lesen über eine Botschaft, wir lesen über etwas Materielles, das die Botschaft übermittelt und wir lesen über Spuren.

Nehmen wir den Inhalt dieser Textstelle wörtlich so ist der Übermittler, der Bote[2], das Medium, das „handwerklich hergestellte Ding“ die Botschaft „die Poiesis des Herstellers“. So gut, so einfach, so klar. Wir können die Frage nach eine medialen Perspektive schnell beantworten und bejahen.

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