Schlagwort-Archive: Kommunikation

Politik in Gemälden von Gerhard Richter bis Bansky

Diese Veranstaltung hat eines nicht zum Inhalt, Erwägungen zu engagierter oder autonomer Kunst. Es werden einfach Bilder von Künstlern, sogenannten „alten“ Künstler, gezeigt. Sie begannen im 20. Jahrhundert und wirken im 21. Jahrhundert fort. Das Besprechen beginnt mit den Date Paintings von On Kawara über die „Scherenschnitte“ Kara Walkers bis zur Streetart Banskys.
Die vollständgige Liste in chronologischer Reihenfolge:
On Kawara, Hanne Darboven, Gerhard Richter, Thomas Ruff, Eric Fischl, Luc Tuymans, Andy Warhol, Wolfgang Tillmans, Thomas Demand, Anselm Kiefer, Simon Menner, Hasan Elahi, Sophiee Calle, Taryn Simon, Yinka Shonibare, Kara Walker, Ai Weiwei, Mona Hatoum, Alfred Jaar, Bansky.
Auch im 21. Jahrhundert die Verarbeitung der Nazibarbarei Inhalt der Politik in Gemälden; dazu kommen Kapitalismuskritik Ungerechtigkeit, Überwachung, Rassismus sowie Flucht und Vertreibung.
Viele, gerade auch der jüngeren „alten“ Künstler, haben eigene Webseiten. Einige präsentieren nicht nur ihre Werke dort sondern erläutern ihre Werke und Projekte.

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Über Einzeller und künstebezogene Praktiken

Als Einzeller wäre der Mensch unsterblich. Da der Mensch kein Einzeller ist, ist er auch sterblich. Scheint logisch.

Eine schwedische Studie zeigt, so Winfried Menninghaus in „Wozu Kunst?“ auf Seite 274:

Das Resultat ist eindeutig: Regelmäßigkeit und Häufigkeit künstebezogener Praktiken werden mit geringer Mortalitätsrate belohnt.

Solche Praktiken seien Selbermusizieren, Schreiben, Theaterspielen, Malen, Bildhauern aber auch Konzert-, Museums-, Theaterbesuche und Besuche von Lesungen oder Lesen. Künstebezogene Praktiken gehen also mit einem längeren, vielleicht auch besserem Älterwerden einher. Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse und aller Vorsicht einer Annahme unkritischer Kausalität, könnte in der Vermutung Kants „ästhetische Lust führe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bei sich“ (Menninghaus S.275) doch ein Körnchen Wahrheiten enthalten. Es kann sicherlich nicht schaden, sich künstebezogenen Praktiken zuzuwenden.

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 30.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Über die Verwendung des Begriffes Interesse

Alain Caillé entfaltet in seinem Text „Die doppelte Unbegreiflichkeit der reinen Gabe“ die Verwendung des Begriffes „Interesse“. Er unterscheidet das „Interesse an“ vom „Interesse für“. Das „Interesse an“ wird instrumentell gebraucht, es hat Werkzeugcharakter. Das „Interesse für“ etwas oder jemanden ist sich, sozusagen, selbst genug; die Handlung oder Tätigkeit „hat in sich ihr eigenes Ziel“. Die Gegenpunkte seien einerseits Interesselosigkeit und andererseits Desinteresse. Natürlich ist der „Anteil“ der beiden Interessen an einer Handlung, Tätigkeit, einem Etwas oder Jemandem unterschiedlich und im Zeitablauf variabel. Auch kann das jeweilige Interesse allein vorliegen. Dies sei am Beispiel der Arbeit erläutert. Arbeitet jemand in einem Unternehmen, das ihm ganz oder zu Teilen gehört so werden hier „Interesse an“ und „Interesse für“ vorliegen. Nach einem Verkauf oder Änderung der Position mag sich das „Interesse für“ verflüchtigen und das „Interesse an“ mag alleine übrigbleiben. Caillé zitiert einen Satz von Auguste Detoeuf:

Man glaubt zunächst, man würde für sich arbeiten, man vergegenwärtigt sich dann, dass man für seine Frau arbeitet – man ist später überzeugt, dass man für die Kinder arbeitet, man nimmt schlussendlich war, dass man während der ganzen Zeit gearbeitet hat, um zu arbeiten.

Werden die Interessen auch tatsächlich in der Lebenswelt gedanklich sortiert oder wird das „Interesse für“ nicht vielmehr auch als das „Interesse an“ wahrgenommen? Und welche Folgen könnte diese Verwechselung der Interessen mit sich bringen?

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 24.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Prokrastiniert der Gasthörer?

Das Wintersemester 17/18 hat begonnen. Eigentlich sind in diesem Blog noch zwei Posts aus dem Sommersemester fällig. Ist die Nichtveröffentlichung jetzt pathologisches Vertagen – Prokrastination? Der Gasthörer hat keine Verpflichtungen und er darf keine Noten, Scheine u.ä. erwerben. Er ist aus inhaltlichen Interesse bei der Sache. Die selbst gestellte Aufgabe einen Blogpost zu schreiben ist angenehm, birgt auch kein unüberwindliches oder beängstigendes Hindernis. Am Nichtschreiben der Blogposts leidet der Gasthörer jedenfalls nicht. Vielleicht müssen die Posts einfach noch reifen…

Smart Home – Instrument oder Apparat?

Versuchen wir zunächst eine Begriffsklärung und greifen dabei auf folgende Definition zurück:

Smart Home ist die intelligente Vernetzung mehrerer Komponenten im Zuhause (z.B. Licht, Lautsprecher, Heizung, Fernsehen) sodass die Wohnumgebung ferngesteuert werden kann oder sich automatisch und selbstlernend auf die Bedürfnisse der Nutzer einstellt…[1]

Eine etwas ältere Beschreibung auf höherem Abstraktionsgrad, die sich auf das Internet der Dinge bezieht lautet:

Unter dem Internet der Dinge versteht man die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit einer virtuellen Repräsentation einer Internet-ähnlichen Struktur.[2]

Eine Kombination der beiden Beschreibungen wirkt fruchtbar. Smart Home ist als ein Teilbereich des Internets der Dinge im häuslichen Bereich, der Wohnung oder dem Wohngebäude, zu sehen. Eindeutig identifizierbare physische Dinge, Konsumgüter aber auch Gebrauchsgüter wie Sensoren, können in einer virtuellen Repräsentation verknüpft werden. Die Dinge sind kommunikationsfähig und können über eine gemeinsame operative Sprache, die Binärschrift, zusammengeführt werden. Die Dinge können vom Bewohner parametrisiert und (fern)gesteuert werden. Die Dinge kommunizieren untereinander und „handeln“ gegebenenfalls nach dem Inhalt der Kommunikation, nach Aufforderung. Sie „verstehen“ einander. Sie sind in der Lage zu lernen, wobei wir dieses Lernen als Lernen ohne Bewußtsein verstehen. Wir verzichten hier auf weitere Erläuterungen zum Lernen von Dingen.

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Versuch einer medialen Perspektive auf handwerklich hergestellte Gebrauchsgegenstände

Vorangestellt sei, wir verzichten in diesem kurzen Text auf Begriffsklärungen. Die Relationen Mensch und Ding, Ding und Mensch oder auch eine Philosophie dieser Verhältnisse sind spannend. In Wolfgang Schivelbuschs Werk „Das verzehrende Leben der Dinge – Versuch über Konsumtion“ wird diese Relation untersucht und philosophisch entfaltet. Wir folgen dem jedoch nicht sondern konzentrieren uns textlich auf unsere Zwecke, die Frage nach einer medialen Perspektive. Dazu sei folgende Textstelle [1] zitiert:

Das handwerklich gefertigte Ding zeigt unübersehbar die Spuren seiner individuellen Entstehung. Es ist der Abgesandte, der seine Nachricht – die Poiesis des Herstellers – auf kürzestem Weg zum Konsumenten bringt. Alle drei sprechen die gleiche Sprache. Die Handarbeit des Produzenten gelangt unverfälscht in die Hände des verbrauchenden Empfängers. Unverfälscht, weil auch die handwerkliche Arbeit „produktive Konsumtion“ ist. Vom Gegenstand verzehrt, absorbiert, assimiliert wird sie der Gegenstand.

Die Textstelle weist in der Tat Charakteristika auf, die die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer medialen Perspektive auf einen beliebigen, handwerklich produzierten Gebrauchsgegenstand stellt. Wir lesen über einen Sender und einen Empfänger, wir lesen über eine Botschaft, wir lesen über etwas Materielles, das die Botschaft übermittelt und wir lesen über Spuren.

Nehmen wir den Inhalt dieser Textstelle wörtlich so ist der Übermittler, der Bote[2], das Medium, das „handwerklich hergestellte Ding“ die Botschaft „die Poiesis des Herstellers“. So gut, so einfach, so klar. Wir können die Frage nach eine medialen Perspektive schnell beantworten und bejahen.

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Was weiß ich schon?

Wissen scheint in der Philosophie ein gar seltsames Ding zu sein. Danach kann Wissen nur durch Erfahrung und/oder Nach-Denken gewonnen werden. Wären dies die einzigen Möglichkeiten müßte ich mich eigentlich fragen: „Was weiß ich schon?“. Denn es ist doch ziemlich klar, daß ich das meiste Wissen durch andere Menschen vermittelt bekommen habe. Eltern, Lehrer, Freunde – eine Vorlesung an der Universität; ich könnte eine Perspektive einnehmen diese Personen als Medien zu betrachten, die Wissen übertragen. Aber dieses Wissen soll gar kein Wissen sein? Das ist seltsam… Aber – was weiß ich schon?

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 6.8.2017 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)