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Das Sozusagen

Referate und Vorträge halte ich frei. Einige Stichworte schreibe ich auf, mehr nicht. Die Illusion hält mich gefangen, ich könne während des Sprechens meine Gedanken entwickeln. Meistens funktioniert das mehr schlecht als recht in meiner Rückschau. Während des Sprechens, nicht nur in der Rückschau bemerke ich, daß ich die Worthülse „Sozusagen“ sehr oft benutze, was mir beim normalen Plaudern völlig abgeht. In der Anspannung während des Sprechens ist meine Widerstandskraft gegen die Worthülse völlig zusammengebrochen. Dieses „Sozusagen“ ist ja nicht nur der Ausdruck hoher Anspannung oder Verlegenheit sondern es scheint eine unbewußte Distanzierung von dem Gesagten zu erfolgen. Was ist diese tiefsitzende unbewußte Scham – wie läßt sie sich auflösen?

Der Weg zur Griechischen Literatur in Übersetzung

Das gibt es tatsächlich, ein Modulangebot im Kombi-Bachelor „Griechische Literatur in Übersetzung“. Keine Gräzistik mit zwingenden Kenntnissen des Altgriechischen. „Dialektik der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer, dort genauer der „Exkurs 1: Odysseus und der Mythos der Aufklärung“ ist eine Tür zur Griechischen Literatur. Wenn die Schulkenntnisse vergessen sind das Verstehenwollen mächtig drückt wird ist der Kurs „Altgriechische Poesie“ richtig. Ein straff organisiertes Programm mit dem Schwerpunkt Epik läßt auch Raum für die anderen literarischen Gattungen und den geschichtlichen Kontext. Nach dem Kurs haben Teilnehmerïnnen natürlich nicht die Epik umfassend verstanden aber ein erster Schritt ist getan. Altphilologie im besten Sinne.

Über die Verwendung des Begriffes Interesse

Alain Caillé entfaltet in seinem Text „Die doppelte Unbegreiflichkeit der reinen Gabe“ die Verwendung des Begriffes „Interesse“. Er unterscheidet das „Interesse an“ vom „Interesse für“. Das „Interesse an“ wird instrumentell gebraucht, es hat Werkzeugcharakter. Das „Interesse für“ etwas oder jemanden ist sich, sozusagen, selbst genug; die Handlung oder Tätigkeit „hat in sich ihr eigenes Ziel“. Die Gegenpunkte seien einerseits Interesselosigkeit und andererseits Desinteresse. Natürlich ist der „Anteil“ der beiden Interessen an einer Handlung, Tätigkeit, einem Etwas oder Jemandem unterschiedlich und im Zeitablauf variabel. Auch kann das jeweilige Interesse allein vorliegen. Dies sei am Beispiel der Arbeit erläutert. Arbeitet jemand in einem Unternehmen, das ihm ganz oder zu Teilen gehört so werden hier „Interesse an“ und „Interesse für“ vorliegen. Nach einem Verkauf oder Änderung der Position mag sich das „Interesse für“ verflüchtigen und das „Interesse an“ mag alleine übrigbleiben. Caillé zitiert einen Satz von Auguste Detoeuf:

Man glaubt zunächst, man würde für sich arbeiten, man vergegenwärtigt sich dann, dass man für seine Frau arbeitet – man ist später überzeugt, dass man für die Kinder arbeitet, man nimmt schlussendlich war, dass man während der ganzen Zeit gearbeitet hat, um zu arbeiten.

Werden die Interessen auch tatsächlich in der Lebenswelt gedanklich sortiert oder wird das „Interesse für“ nicht vielmehr auch als das „Interesse an“ wahrgenommen? Und welche Folgen könnte diese Verwechselung der Interessen mit sich bringen?

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 24.1.2018 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)

Smart Home – Instrument oder Apparat?

Versuchen wir zunächst eine Begriffsklärung und greifen dabei auf folgende Definition zurück:

Smart Home ist die intelligente Vernetzung mehrerer Komponenten im Zuhause (z.B. Licht, Lautsprecher, Heizung, Fernsehen) sodass die Wohnumgebung ferngesteuert werden kann oder sich automatisch und selbstlernend auf die Bedürfnisse der Nutzer einstellt…[1]

Eine etwas ältere Beschreibung auf höherem Abstraktionsgrad, die sich auf das Internet der Dinge bezieht lautet:

Unter dem Internet der Dinge versteht man die Verknüpfung eindeutig identifizierbarer physischer Objekte mit einer virtuellen Repräsentation einer Internet-ähnlichen Struktur.[2]

Eine Kombination der beiden Beschreibungen wirkt fruchtbar. Smart Home ist als ein Teilbereich des Internets der Dinge im häuslichen Bereich, der Wohnung oder dem Wohngebäude, zu sehen. Eindeutig identifizierbare physische Dinge, Konsumgüter aber auch Gebrauchsgüter wie Sensoren, können in einer virtuellen Repräsentation verknüpft werden. Die Dinge sind kommunikationsfähig und können über eine gemeinsame operative Sprache, die Binärschrift, zusammengeführt werden. Die Dinge können vom Bewohner parametrisiert und (fern)gesteuert werden. Die Dinge kommunizieren untereinander und „handeln“ gegebenenfalls nach dem Inhalt der Kommunikation, nach Aufforderung. Sie „verstehen“ einander. Sie sind in der Lage zu lernen, wobei wir dieses Lernen als Lernen ohne Bewußtsein verstehen. Wir verzichten hier auf weitere Erläuterungen zum Lernen von Dingen.

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Die Kraft meiner Worte

Der Schöpfer-Gott erschafft die Welt durch das Wort. Der Schöpfer-Gott handelt durch das Wort. Der Schöpfer-Gott spicht in Wort und Tat: „Es werde Licht!“ Und es ward Licht. Mein Wort ist nicht demiurgisch: „Es werde Spiegelei!“ Und nichts passiert. Ein Mensch eben…

Mit bestem Dank an Frau Krämer für diesen inspirierenden Moment.

(Dieser kurze Text wurde zuerst am 23.7.2017 auf meinem Blog horax schreibt hier veröffentlicht.)